Norderstedt ist eine wunderbare Stadt, die entgegen dem demographischen Wandel wächst. Gelegen vor den Toren Hamburgs wohnen hier viele Menschen, die die grüne Lunge wertschätzen. Städtebaulich ist in den letzten Jahren sehr viel in Norderstedt passiert. Dennoch gilt es den Bereich Wohnen weiter zu entwickeln.

Die Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit und der Lebensqualität der Bewohner verlangt von Norderstedt eine weitsichtige Entwicklungsstrategie, die Herausforderungen durch Haushaltswachstum, sich ändernde Standortanforderungen der Wirtschaft und das wachsende Verkehrsaufkommen berücksichtigt. Nutzungskonkurrenzen und Nutzungskonflikte, die es naturgemäß immer gibt und geben wird, müssen entschärft, Umweltbelastungen verringert und die Mobilität gesichert beziehungsweise verbessert werden.

Unsere Planung sollte sich dabei am Leitbild der „kompakten Stadt“ orientieren. Mit ihren Kernelementen, hoher baulicher Verdichtung, Mischung der Nutzungen, Vielfalt der Quartiere und sozialer Mischung in den Quartieren sowie Stärkung der Zentren, lassen sich die Ziele wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit erreichen.

Aber was bedeutet das im Einzelnen?

Vorrangig gilt für Norderstedt die Sicherung der Attraktivität als Wohnstandort. Menschen sollen hier gut und gerne leben. Um aber im wachsenden Wettbewerb der Kommunen um Bewohner, Arbeitskräfte und junge Menschen mithalten zu können, muss die Wohn- und Lebensqualität den Vorstellungen der zunehmend unterschiedlichen Haushalts- und Lebensstiltypen entsprechen. Dabei geht es zum Einen um die Sicherung eines vielfältigen Wohnraumangebots, aber auch Bereiche wie Bildung, Kultur und Mobilität sowie die Unterstützung von Familien und älteren Menschen bei der Bewältigung des Alltagslebens.

Die Punkte, auf die ich im Bereich Wohnen für Norderstedt den Fokus legen möchte, sind:

  • Wohnraumversorgung
  • Neue Wohnformen
  • Kommunale Wohnungen
  • Wohnquartiere stärken
  • Dezentrale Versorgung
  • Grüne Schätze heben
  • Grünflächen erhalten

Als Folge des härteren Wettbewerbs um Bewohner und Fachkräfte nimmt die Bedeutung des Wohnungsangebots für eine Stadt als Standortfaktor auch für Norderstedt zu. Die Sicherung einer bedarfsgerechten Wohnraumversorgung ist daher eine Schlüsselaufgabe .

Gegenwärtig gibt es in Norderstedt  erhebliche Engpässe in der Wohnungsversorgung der Bevölkerung. Die Folge sind deutliche Preissteigerungen für Immobilien und Mieten.

Da die Nachfrage nach Wohnraum weiter zunehmen wird, müssen das Wohnungsangebot in Norderstedt deutlich erweitert und auch der Wohnungsneubau forciert werden. Das erfordert, die Voraussetzungen für verstärkte Neubautätigkeiten zeitnah zu schaffen und mit der Bauwirtschaft die erforderlichen Baumaßnahmen abzustimmen. Dabei geht es nicht nur darum, mehr Wohnungen zu bauen, sondern auch darum, den Wohnungsbestand um Bauformen und Wohnungstypen zu ergänzen, die der wachsenden Vielfalt der Wohnkonzepte gerecht werden. Wünschenswert ist es, dass jede und jeder so wohnen kann, wie er oder sie mag.

Soziales und bezahlbares Wohnen

Die Zahl der Mietwohnungen im unteren Preissegment hat sich durch Modernisierungen und Umwandlungen in Eigentum sowie auslaufende Belegungsbindungen kontinuierlich verringert. Dagegen nimmt die Zahl der Haushalte zu, die auf preisgünstige Wohnungen angewiesen sind. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Haushalte, die auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind, sondern zunehmend auch um Haushalte, in denen die erwerbstätigen Personen nur ein geringes Einkommen erzielen. Durch die jüngsten Zuwanderungen hat sich der Wettbewerb um Wohnraum zwischen solchen Haushalten weiter verschärft. Es gilt also bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Verbesserung des Wohnungsangebots für einkommensschwache Haushalte und Normalverdiener ist daher eine der wichtigsten Aufgaben in den kommenden Jahren.

Aufgrund der hohen baulichen und energetischen Standards und der Steigerung der Grundstückspreise können preiswerte Wohnungen allerdings kaum noch ohne öffentliche Förderung gebaut werden. Zusammen mit Land und Bund müssen daher neue Strategien für den Bau preisgünstiger Wohnungen entwickelt werden. Norderstedt sollten allerdings auch prüfen, wie weit eigene Fördermittel eingesetzt werden können. Auf jeden Fall aber sollte der Bau preisgünstiger Wohnungen mit Hilfe anderer Instrumente gefördert werden. Dazu gehören auch die Bereitstellung von Grundstücken und die Aktivierung kommunaler Wohnungsunternehmen.

Werfen wir einen Blick auf die Gesellschaft zeigt die demographische Entwicklung der kommenden Jahre deutlich, dass der Lebensphase „Alter“ eine wachsende Bedeutung zukommt. Deshalb müssen die Voraussetzungen für ein situationsgerechtes Leben auch im Alter geschaffen werden. Wir wollen, das Ältere möglichst lange selbständig und selbstbestimmt leben, und das im gewohnten persönlichen Umfeld.

Kommunales Bauen als Impulsgeber

Dazu gehört zum Beispiel die Förderung des seniorengerechten und auch betreuten Wohnens. Wir wollen, dass die Menschen in ihren Stadtteilen alt werden können und nicht woanders hin ziehen müssen. Hier ist der Beschluss zur Gründung einer eigenen kommunalen Wohnungsbaugesellschaft der erste richtige Schritt.

Allerdings sollte hier erwähnt werden, dass Kommunen das Wohnungsangebot in der Regel nicht selbst vergrößern und diversifizieren können. Sie können aber als Impulsgeber und Moderator wirken und zusammen mit den Akteuren auf dem Immobilien- und Wohnungsmarkt ihre Profilierung als Wohnstandort vorantreiben. Dazu sollte ein kommunales „Handlungskonzept Wohnen“ erarbeitet und in Gang gebracht werden, das unter anderem Aussagen dazu enthält, wie die soziale Wohnraumversorgung verbessert, die Erhaltung und Aufwertung der Bestände gesichert und die nachhaltige Stadtentwicklung vorangetrieben werden können. Ein gutes Beispiel hierfür sind auch Projekte im Rahmen der Förderung durch das Programm „Soziale Stadt“.

Als Instrument zur Entwicklung der wohnungspolitischen Ziele und zur Abstimmung der Maßnahmen bietet sich auch ein „Lokales Bündnis für Wohnen“ an, in dem die öffentlichen und privatwirtschaftlichen Wohnungsmarktakteure verbindlich zusammenarbeiten. Die Führung bei der Entwicklung und Steuerung des Handlungskonzepts muss die Spitze der Kommunalpolitik übernehmen.

Weitere Instrumente, die Norderstedt nutzen sollte, sind:

  • eine aktive kommunale Bodenpolitik und Bodenbevorratung
  • Verzicht auf Höchstpreisverfahren bei Grundstücksverkäufen
  • Auflagen für Investoren, um wohnungspolitische Ziele zu erreichen, zum Beispiel durch Festschreibung von Anteilen preisgünstiger und altersgerechter Wohnungen
  • Forcierung der altersgerechten Anpassung in kommunalen Wohnungsbeständen und Sicherung von Wohnraum für untere Einkommensschichten
  • Unterstützung innovativer und alternativer Wohnformen und Organisationsformen
  • Förderung der sozialen Stabilisierung in städtischen Quartieren durch Sanierungsprogramme, Sozial- und Wirtschaftsprojekte
  • Maßnahmen im Wohnumfeld zur Steigerung der Attraktivität der Wohnungsbestände

Ein Wohnungsmarktbeobachtungssystem ist ebenfalls ein wichtiger Teil eines Wohnungsversorgungskonzepts. Damit lassen sich die Nachfrage- und Angebotsentwicklung kontinuierlich erfassen, der Umfang der künftigen Nachfrage abschätzen und die Effekte der wohnungspolitischen Maßnahmen bewerten.

Freiräume mit hoher Umwelt- und Nutzungsqualität

Innenentwicklung bedeutet aber nicht, jede Freifläche zu bebauen. Eine funktionierende Stadtgesellschaft braucht Freiräume mit hoher Umwelt- und Nutzungsqualität, die ihr die vielfältigen Möglichkeiten der Begegnung für Sport und Freizeit sowie zur Erholung und Naturerfahrung bieten und gleichzeitig dem Klimaschutz dienen. In diesem Sinne ist „grüne Infrastruktur“ ein wichtiger Standortfaktor und entscheidend für die Zukunftsfähigkeit, Attraktivität und Identität von Norderstedt. Das Netz innerstädtischer Freiräume muss daher erhalten werden. Dazu gehört, Grünflächen bei Nachverdichtungen aufzuwerten und neue Konzepte für Grünflächen zu entwickeln und zu realisieren.

Innenentwicklung darf aber auch nicht dazu führen, jede Möglichkeit der Verdichtung und Qualitätsaufwertung zu nutzen. Häufig haben sie Nutzungskonkurrenzen und Preissteigerungen zur Folge, die ansässiges Gewerbe und mittelfristig auch ansässige Bewohner verdrängen. Norderstedt muss daher die Gentrifizierungsprozesse beobachten und darauf achten, dass das Ziel, preisgünstige Mietwohnungen zu erhalten, nicht konterkariert wird.